Interkulturelle Kompetenz – eine Schlüsselqualifikation (nicht nur) für den Beruf


 
von Christoph Gollub

 
Kommunikation ist viel mehr als einfach nur sprachlicher Austausch: neben vielen anderen Komponenten bestimmt gleichfalls unsere kulturelle Prägung mit, wie wir kommunizieren und uns verhalten. Dieser Artikel zeigt auf, inwiefern kulturell bedingte Konflikte die berufliche Zusammenarbeit belasten können und wie ein interkulturelles Training dem entgegenwirken und zu einem fruchtbaren, kreativen und harmonischen Miteinander führen kann.
 
Bei beruflichen Auslandsaufenthalten, aber auch bei der Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Kulturen hierzulande, kann es aufgrund fehlender Kenntnis der kulturellen Prägung des Gegenübers zu Problemen kommen, die die Zusammenarbeit sowie das persönliche Verhältnis belasten können.
 

Probleme bei Entsendungen ins Ausland

Immer wieder zeigt sich, dass Auslandsentsendungen oder Geschäftsreisen ins Ausland vor allem auch daran scheitern, dass die entsandten Mitarbeiter nicht ausreichend vorbereitet worden sind auf den Kontakt mit dem fremden Kulturkreis.
 
Die fehlende Vorbereitung führt einerseits dazu, dass sie ein anderes Verhalten an den Tag legen, als dies in jenem Kulturkreis von ihren ausländischen Geschäftspartnern erwartet worden wäre. Andererseits können die entsandten Mitarbeiter auch von ihren Kollegen durch deren Verhalten oder die Art, wie sie Aussagen oder Absprachen treffen, verunsichert werden und hieraus falsche Rückschlüsse ziehen.

Kulturell bedingte Konflikte werden häufig nicht als solche erkannt

Häufig werden allerdings kulturell bedingte Konflikte gar nicht als solche wahrgenommen, sondern es werden Erklärungsmuster herangezogen, die dazu führen, das Verhalten des Anderen ausschließlich aus der eigenen Perspektive zu betrachten. Dies hat nicht selten zur Folge, dass die Arbeitskollegen aus anderen Kulturkreisen negativ abgestempelt werden (z.B. als unzuverlässig, verschlossen, oberflächlich). Diese persönliche Einschätzung kann dabei so stark wirken, dass die gemeinsame Teamarbeit ernsthaft gefährdet wird.
 
Nicht berücksichtigt wird bei dieser Perspektive die unterschiedliche kulturelle Sozialisation des Anderen: Dessen Herangehensweise an berufliche Aufgaben ist schließlich nicht „besser“ oder „schlechter“ als die eigene – sondern vielmehr schlicht eine etwas andere, bei der abweichende Gesichtspunkte stärker berücksichtigt werden als bei der eigenen Perspektive.
 
Gelingt ein Verstehen der Orientierungs- und Handlungssysteme des jeweils anderen, kann ein multikulturell zusammengesetztes Team ein sehr hohes Leistungspotential entwickeln, da die Mitarbeiter durch den Wechsel der Perspektive in hohem Maße kreativ und probemlösungsorientiert tätig werden können.
 
Untersuchungen haben gezeigt, dass multikulturelle Arbeitsgruppen, bei denen die Teilnehmer einen hohen Grad an interkulturellem Wissen besitzen und sie somit auch den kulturellen Background der anderen Teammitglieder reflektieren können, gegenüber monokulturell zusammengesetzten Teams klar im Vorteil sind.
 

Interkulturelle Kompetenz – was verstehen wir darunter?

Interkulturelle Kompetenz stellt daher eine der zentralen Schlüsselqualifikationen in unserer heutigen globalisierten Arbeitswelt dar. Insbesondere bei Fachkräften, die international tätig sind oder die in multikulturellen Arbeitsgruppen arbeiten oder solche leiten, wird auf diese Fähigkeit großen Wert gelegt.
 
Was aber ist mit interkultureller Kompetenz eigentlich gemeint? Hierbei sind vor allem die folgenden drei Faktoren von Bedeutung:
 
  1. Auseinandersetzung mit der eigenen und mit fremder Kultur: Interkulturelle Kompetenz verlangt eine tiefgehende Auseinandersetzung sowie breite Kenntnisse sowohl über eigene als auch über fremde kulturelle Orientierungsmuster, die das Handeln und Verhalten von sich selbst wie auch von anderen (mit-)prägen.

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  3. Handlungssicherheit: Durch diese Kenntnisse gewinnen interkulturell trainierte Menschen einen hohen Grad an Handlungssicherheit, der sie befähigt, den kulturellen Hintergrund eigener und fremder Verhaltensmuster zu erkennen und hieraus Rückschlüsse zu ziehen, wie sie sich so verhalten und die Kommunikation untereinander so gestalten können, dass ihr Handeln für beide Seiten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führt. Interkulturelle Kompetenz führt also im Idealfall zu einem Synergieeffekt, der erreicht, eigene kulturell geprägte Handlungsmuster um neue Strategien der anderen Kultur zu erweitern und somit auch auf alternative, der jeweiligen Situation angemessene oder auch effizientere Handlungsoptionen zurückgreifen zu können.

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  5. Souveränität beim Aufeinandertreffen mit unbekannten Kulturen: Ein hoher Grad an interkultureller Kompetenz setzt voraus, dass man nicht nur mit Mitgliedern einiger spezifischer Kulturen zu einem erfolgreichen, beide Seiten respektierenden und synergetischen Miteinander gelangt.

 
Interkulturelle Kompetenz zeigt sich vielmehr gerade auch in Situationen, bei denen man mit noch unbekannten Orientierungssystemen konfrontiert wird und hierbei einen hohen Grad an Offenheit zeigt und auf eine solche Situation interessiert, kreativ, selbstsicher und flexibel reagieren kann.
 
Wie lässt sich aber die interkulturelle Kompetenz schulen? Wir möchten nun den Blick auf ein interkulturelles Training werfen, wo genau dies unternommen wird.
 

Interkulturelles Training

Ein Trainingsprogramm, das dessen Teilnehmer auf ein bestimmtes Land und dessen Kultur vorbereiten soll, beinhaltet zunächst einmal die Vermittlung von detailliertem Hintergrundwissen zur Landeskunde, sowie die Gegenüberstellung der Kulturstandards der eigenen Gesellschaft mit jenen des anderen Landes. Die Teilnehmer werden dabei ebenso angehalten, das eigene Rollenverständnis sowie ihren Führungs- und Arbeitsstil zu reflektieren.
 
Als besonders wirkungsvoll zeigt sich bei solchen Schulungen die Einbeziehung von Angehörigen der fremden Kultur sowie von Firmenangehörigen, die als ehemalige Expatriates bereits Erfahrungen im Land gemacht haben und den Teilnehmern ein realistisches Bild über typische Geschäftssituationen und mögliche Handlungsoptionen zeigen können.
 

Training anhand authentischer interkultureller Konfliktsituationen

Als häufig eingesetzte Methode bei solchen Trainings werden sogenannte interkulturelle Konfliktsituationen erörtert, die sich so oder ähnlich im (vor allem beruflichen) Alltag ereignet haben und die charakteristische Züge tragen für die geltenden Kulturstandards der beiden Länder.
 
Hierbei wird entweder die Situation von Seiten eines Referenten vorgestellt oder mittels eines Rollenspiels nachgestellt. Anschließend werden die Teilnehmer des interkulturellen Trainings aufgefordert, die jeweilige Sicht und die (kulturellen) Beweggründe der beiden Konfliktparteien darzustellen und zu ergründen, weshalb es zu dieser Spannung kam.
 
Daraufhin wird nach Möglichkeiten gesucht, einem solchen Konflikt vorzubeugen und verschiedene Handlungsoptionen zu entwickeln, sich in einer entsprechenden Situation so zu verhalten, dass es für beide Seiten zu einem erfreulichen und positiven Arbeitsablauf kommt.
 

Bewusstmachen unterschiedlicher Perspektiven

Interkulturelle Trainings setzen ebenfalls den Fokus auf allgemeine Unterschiede zwischen Kulturen und der Blick der Teilnehmer wird darauf gelenkt, dass die kulturelle Prägung von Menschen unterschiedlicher Herkunft bewusst oder unbewusst das Verhalten eines jeden Einzelnen beeinflusst und daraus Missverständnisse oder Konflikte resultieren können.
 
Durch das Training sollen die Teilnehmer dafür sensibilisiert werden, kulturelle Unterschiede wertfrei zu akzeptieren und auch das eigene Verhalten zu reflektieren.
 
Hierdurch sollen die Teilnehmer einerseits lernen, die eigenen kulturellen Regeln und Normen zu erkennen und zu verstehen und andererseits auch zu erfahren, dass für Menschen aus anderen Kulturen teilweise gänzlich andere kulturelle Orientierungsmuster gelten. Die Teilnehmer sollen Interesse und Achtung für die fremde Kultur entwickeln und Verhaltensmuster aufbauen, die ein gelingendes Miteinander und eine für beide Seiten bereichernde Interaktion ermöglichen.

Weiterführende Links

Interessante Seiten mit vielen weiteren Informationen zum Thema interkulturelle Kompetenz bieten beispielsweise die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen unter www.ikkompetenz.thueringen.de oder www.interkulturelle-kompetenz.de, eine Seite der FH Köln mit dem Forschungsschwerpunkt interkulturelle Kompetenz.
 
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Trainieren Ihrer persönlichen interkulturellen Kompetenz!
 
Ihre Redaktion von Sprachenlernen24
 

 
 

Über den Autor

Christoph Gollub (34) hat Pädagogik an der Universität Regensburg studiert sowie ein Zusatzstudium in Interkultureller Handlungskompetenz absolviert und ist seit dem Jahr 2006 in der Redaktion von Sprachenlernen24 tätig.
 
Zu seinen Aufgaben gehören die Mitarbeit am Sprachenlernen24-Blog, die Entwicklung neuer Sprachkurse und Lernkonzepte, redaktionelle Arbeiten und die Betreuung laufender Kursprojekte.
 
An Fremdsprachen spricht er fließend Englisch und Französisch.
Daneben hat er Grundkenntnisse in Spanisch und Polnisch.
Durch die Betreuung verschiedener neuer Sprachkurs-Projekte hat er sich zudem Basiskenntnisse in Arabisch, Hebräisch, Tschechisch und Russisch angeeignet.
 
Zu seinen privaten Leidenschaften gehören das Reisen, die Musik sowie lesen und Rad fahren.
 

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