Nachmacher! - Über das Nach-Sprechen fremder Sprachen


 
von Christine Tettenhammer

 
Haben Sie nicht auch schon mal so richtig lachen müssen, als Sie einen deutschen Politiker gehört haben, der mit schrecklichem Akzent Englisch gesprochen hat?

 
Sind manche Ansagen in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht unglaublich lustig, wenn sie in einer deutschen Neu-Interpretation der englischen Sprache vorgenommen werden und dann auch noch laut durch das Abteil schallen?
 
Aber .... - Kennen Sie nicht auch jemanden, der perfekt Englisch spricht – und das, obwohl er kein Muttersprachler ist?
 
Wie kommt es, dass manche Menschen fremde Sprachen besser, oder: leichter nach- und aussprechen können als andere?
 

Die Aussprache einer fremden Sprache lernen – Talent oder Übungssache?

Wenn man nun beginnt eine Fremdsprache zu lernen:
Was hat Einfluss darauf, ob man die Aussprache schnell lernt – ist das persönliche Talent ausschlaggebend oder ist das einfach nur Übungssache?
 
Wie so oft, lautet die Antwort auf diese Frage: Das Lernen der Aussprache einer Fremdsprache hängt von beiden Faktoren ab – dem Talent und der Übung.
 

Die Aussprache einer Fremdsprache lernen – nur etwas für „Talentierte“?

Natürlich wurde die Sache mit dem „Talent“ bereits in verschiedenen wissenschaftlichen Studien in linguistischen Experimenten untersucht. Ergebnisse dieser Forschung sind Folgende:
 
  • Menschen, die von ihrer persönlichen Veranlagung her sehr offen sind für Neues und Veränderungen gegenüber aufgeschlossen sind, haben es leichter die Aussprache einer Fremdsprache zu lernen.
    In der Regel probieren solche Menschen alles aus, was verspricht anders oder neu zu sein. Mit dieser Offenheit geht bei Menschen mit solchen Anlagen oft auch eine hohe Motivation einher.
    Und eine hohe Motivation erleichtert das Lernen der Aussprache.
  • Das „Talent“ eines Aussprachekünstlers kann man auch in seiner Muttersprache erkennen.
    Wer schon im Deutschen als Muttersprachler Dialekte erkennen und imitieren kann, wird auch mit der Aussprache einer Fremdsprache weniger Probleme haben.
  • Ein weiteres Erkennungszeichen für das Sprachtalent einer Person ist:
    Wer in der Lage ist, auch in einer fremden Sprache die Gefühlslage eines Sprechers einschätzen zu können (ohne diesen zu sehen), hat ein gutes „Gehör“ für die Aussprache im Allgemeinen und die Tonlage im Besonderen.
    Wenn Sie also schon am „Hello. Good morning.“ der amerikanischen Kollegin am Telefon erkennen, ob sie heute einen guten Tag hat oder nicht, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man in Ihrem Englisch keinen oder nur einen schwachen deutschen Akzent heraushört.
Neben diesen Persönlichkeitsfaktoren, die man weniger stark steuern oder beeinflussen kann, gibt es natürlich eindeutig Faktoren, deren Wirkung Sie selbst in der Hand haben.
 

Wie kann ich das Erlernen der Aussprache einer neuen Sprache positiv beeinflussen?

Wenn Sie gerade dabei sind eine neue Sprache zu lernen und noch mit der Aussprache zu kämpfen haben
... vielleicht helfen Ihnen diese Anhaltspunkte weiter:
 
  • Hohe Motivation = schnelleres Lernen der Aussprache!
    Einen wirklich großen Einfluss auf seinen Lernerfolg hat die Motivation eines Lerners. Wer sich mit Spaß und Freude und hoher Motivation ans Lernen der Aussprache macht, hat schneller Erfolg als jemand, der sich jeden Tag aufs Neue dazu zwingen muss, sich mit der Fremdsprache zu beschäftigen.
  • Je öfter Sie üben, desto schneller werden Sie die Aussprache lernen!
    Auch diese Faustregel leuchtet jedem sofort ein: Wer täglich die Aussprache einer fremden Sprache übt, lernt diese schneller als jemand, der sich nur ein Mal in der Woche damit beschäftigt.
  • Im (fremden) Land lernt sich's leichter!
    Auch dies ist keine neue Erkenntnis: Sie lernen die Aussprache einer neuen Sprache viel schneller, wenn Sie im Land sind. Einfach aus dem Grund, weil Sie permanent Gelegenheit haben, Ihre Aussprache an einem Muttersprachler zu testen und zu sehen, ob Ihr Gesprächspartner versteht, was Sie meinen.
    Wenn Sie nur ein Mal in der Woche zum Spanisch-Kurs gehen und während der Unterrichtsstunde drei Mal Gelegenheit haben einen spanischen Satz vorzulesen, wird es einfach länger dauern, bis Sie die Aussprache gut beherrschen.
    Wenn Sie keine Gelegenheit haben in das Land zu reisen, dessen Sprache Sie gerade lernen, dann versuchen Sie die Sprache auch zu Hause in Deutschland so oft wie möglich „ins Ohr“ zu bekommen. Hören Sie Webradio und Podcasts, schauen Sie sich im Internet Nachrichtensendungen an, kaufen Sie sich Musik-CDs und singen Sie laut in der fremden Sprache mit!
    Sehr effektiv ist es auch, wenn Sie ein sogenanntes Sprachtandem mit einem Muttersprachler der Fremdsprache bilden, bei dem Sie sich gegenseitig beim Erlernen der jeweils fremden Sprache unterstützen.
  • Bleiben Sie neugierig!
    Zu Beginn dieses Artikels haben Sie erfahren, dass Menschen, die offen sind für Neues, die Aussprache einer Fremdsprache besonders schnell lernen können. Versuchen Sie also, sich eine gewisse kindliche Neugier zu bewahren.
Viel Spaß und Erfolg beim Aussprache-Lernen wünscht Ihnen
 
die Redaktion von Sprachenlernen24
 
 

Über die Autorin

Christine Tettenhammer ist Chefredakteurin bei Sprachenlernen24.
 
Zusammen mit ihrem Redaktionsteam verantwortet sie den Sprachenlernen24-Blog, betreut die redaktionelle Erarbeitung der Grammatiken und entwickelt neue Softwarekonzepte.
 
Christine hat von 1999 bis 2004 Kommunikationswissenschaft, Amerikanistik und Neuere Deutsche Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert.
Sie ist ausgebildete Sprecherin und leiht all unseren Deutschaufnahmen ihre Stimme.
In ihrer Freizeit findet man Christine auf Münchens ältester, noch spielender Laienbühne.
 
Sie spricht Englisch, Bairisch, Portugiesisch und Spanisch – verfügt außerdem über erweiterte Grundkenntnisse in Französisch, Kroatisch und Chinesisch.
 
Wenn Christine ins Kino geht, schaut sie sich Filme am liebsten im Original an.
Ihre Liebe zu Büchern in der Originalsprache bekommen auch ihre Bücherregale zu spüren, deren Regalbretter nicht nur an deutschen Autoren schwer zu tragen haben, sondern auch reich befüllt sind mit Werken von Burrhus Frederic Skinner, Philip Roth, Jonathan Safran Foer, Fernando Pessoa, Jorge Amado und vielen anderen.

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