Die Schriften der Welt: das kyrillische Alphabet


 
von Christoph Gollub
 
In diesem Artikel möchten wir Ihnen eine Schrift vorstellen, die in weiten Teilen Osteuropas und Nordasiens verbreitet ist: die kyrillische Schrift.
 
Der Name des Alphabets leitet sich vom Slawenapostel Kyrill ab, der zusammen mit dem Heiligen Method im 9. Jahrhundert die christliche Missionierung der slawischen Völker betrieben hat. Kyrill soll damals eine Schrift entwickelt haben, die als Vorläufer des heutigen Kyrillisch gilt.
 
Die kyrillische Schrift ist, genauso wie die lateinische Schrift (die Sie gerade jetzt lesen), eine Weiterentwicklung des altgriechischen Alphabets.
 
Das kyrillische Alphabet ist in vielen slawischen Sprachen die Schriftnorm. Darüber hinaus gibt es allerdings auch nicht-slawische Sprachen, die auf Kyrillisch verfasst werden.
 
Zu den am weitesten verbreiteten Sprachen, die die kyrillische Schrift verwenden, zählen Bulgarisch, Kasachisch, Kirgisisch, Mazedonisch, Mongolisch, Russisch, Serbisch, Tschetschenisch, Ukrainisch und Weißrussisch.
 
Die kyrillische Schrift weist, je nach Sprache oder Land in dem sie verwendet wird, oftmals kleinere Unterschiede auf. Diese betreffen hauptsächlich die Aussprache einzelner Buchstaben, sowie die Verwendung zusätzlicher Buchstaben, um alle Laute der Sprache ausdrücken und niederschreiben zu können.
 
Das folgende Alphabet ist das Alphabet für die russische Sprache. Russisch ist die meist gesprochene aller Sprachen, die mit dem kyrillischen Alphabet verfassten werden.
 
Russisch
lateinische Umschrift
russisches Bsp.
vergleichbare Aussprache in dt. Bsp.
А а
a
Анна(Anna)
Kampf, fallen
Б б
b
Бори́с (Boris)
Besen, Gabel
В в
w
Влади́мир (Wladimir)
Wetter, Vase
Г г
g
Гли́нка (Glinka)
gehen, gut
Д д
d
Дон (Don)
dort, danke
Е е
e
Ле́на (Lena)
vor hartem Konsonanten und am Wortende: wie dt. offenes e in Kern, Meer
 
vor weichem Konsonanten: wie dt. geschlossenes e in See, Tee, leben
Е е
je (am Wortanfang, nach Vokalen und nach ъ und ь)
Никола́ев (Nikolajew)
jetzt, jemals, jedoch
Ё ё
jo
Алёша (Aljoscha)
Joghurt, Jod, jodeln
Ё ё
o (nach ж, ч, ш, щ)
Пугачёв (Pugatschow)
wie dt. offenes o in offen, Post
Ж ж
sh
Жуко́вский (Shukowski)
wie franz. stimmhaftes sch in Journal, Gendarm, Garage, Etage
З з
s
Заха́ров (Sacharow)
wie dt. stimmhaftes s in Rose, Sonne
И и
i
Ивано́в (Iwanow)
am Wortanfang, nach Vokalbuchstaben und nach weichen Konsonanten: etwa wie dt. geschlossenes i in ideal, Kritik, ihr, Ziel
 
nach den harten Zischlauten ш und ж ausgesprochen als i-artiger Laut (nicht im Deutschen)
Й й
i (nach a, o, y, ю, я, wenn danach kein е oder о folgt)
Ча́йка (Tschaika), Толсто́й (Tolstoi)
Mai, Koi
j (vore,o; nach e)
Ка́йев (Kajew)
ja, Yacht
nicht gesprochen (nach и und ы)
Го́рький (Gorki), Южный (Juschny), Жуко́вский (Schukowski)
nicht gesprochen
К к
k
Ка́ма (Kama)
Kuchen, kalt
Л л
l
Ломоно́сов (Lomonossow)
dunkler als im dt.; vgl. engl. l in all
М м
m
Москва (Moskwa)
Mann, Maus
Н н
n
Ни́на (Nina)
nett, Nacht
О о
o
Омск (Omsk)
wie dt. offenes o in offen, Post
П п
p
Пу́шкин (Puschkin)
Post, pleite
Р р
r
Ре́пин (Repin)
Zungenspitzen-r wie in süddt. Dialekten; Rose, rot
C c
ss
Весело́в (Wesselow)
Wasser, vergessen
s
Си́монов (Simonow)
fast, Reis
Т т
t
Ту́ргенев (Turgenjew)
Tag, retten
У у
u
Вну́ково (Wnukowo)
wie dt. geschlossenes u in Schule, Instrument, Union
Ф ф
f
Фе́дин (Fedin)
Vogel, fressen
Х х
ch
Че́хов (Tschechow)
 
Брунхильда (Brunchilda)
Bach, Buch
Ц ц
z
Цвета́ева (Zwetajewa)
zwei, Zeit
Ч ч
tsch
Че́хов (Tschechow)
Tschüs, Matsch
Ш ш
sch
Шо́лохов (Scholochow)
schwierig, Schule
Щ щ
schtsch
Ро́щин (Roschtschin)
Borschtsch (Suppe aus roten Rüben)
Ъ ъ
nicht gesprochen; macht vorangehenden Konsonanten hart
объём (objom)
 
Härtezeichen
Ы ы
y
Крыло́в (Krylow)
nach harten Konsonanten (außer ш und ж) als i-artiger Laut, den es im Deutschen so nicht gibt.
Ь ь
j (vor и, е und о)
Ильи́ч (Iljitsch)
nicht gesprochen
Обь (Ob)
 
Weichheitszeichen
macht vorangehenden Konsonanten weich/palatalisiert
Э э
e
Эренбург (Ehrenburg)
wie deutsches ä in Ärger, Väter
Ю ю
ju
Лю́ба (Ljuba)
Juni, Jubel
Я я
ja
Я́лта (Jalta)
Januar, Yacht, Jagd

 

Wörter deutschen Ursprungs im Russischen - eine erste Leseübung

Im Russischen gibt es auch eine Reihe von Wörtern, die aus dem Deutschen kommen und Eingang in die russische Sprache gefunden haben. Diese können Sie leicht erraten – Sie brauchen bloß die Buchstaben im Alphabet nachschlagen – und lernen so gleichzeitig die Schrift besser kennen: Einige russische Wörter deutschen Ursprungs sind:
 

Einige russische Wörter deutschen Ursprungs

айсберг
фейерверк
полтергейст
брудершафт
гастарбайтер
вундеркинд
эндшпиль
ландшафт
цугцванг

 
Wenn Sie möchten, können Sie sich das Alphabet und diese Leseübung als PDF herunterladen.
 
So haben Sie dann immer das Alphabet zur Hand, wenn Sie russische Wörter oder Texte lesen möchten.

Unterschiede in der Umschrift

Wenn kyrillische Namen mit lateinischen Buchstaben wiedergegeben werden, kommt es je nach verwendetem Umschriftstandard zu teilweise beachtlichen Unterschieden in der Schreibweise.
 
Achten Sie beispielsweise bei der nächsten Wahl in Russland, wenn jemand gewählt wurde, der zuvor noch nicht auf internationalem Parkett bekannt war, auf die Schreibung seines Namens in den verschiedenen deutschen Tageszeitungen. Sie werden überrascht sein, wie unterschiedlich der Name hierzulande gerade zu Anfang der Berichterstattung geschrieben wird.
 
Auch zwischen verschiedenen Sprachen sind die Schreibweisen von ursprünglich kyrillisch geschriebenen Namen auffallend unterschiedlich.
 
Sehen Sie sich nur den Namen des ehemaligen sowjetischen Präsidenten in verschiedenen Sprachen mit lateinischer Schrift an:
 
Kyrillisch
Deutsch
Französisch
Englisch
Spanisch
Михаил Горбачёв
Michail Gorbatschow
Mikhaïl Gorbatchev
Mikhail Gorbachev
Mijaíl Gorbachov
Türkisch
Italienisch
Niederländisch
Polnisch
Tschechisch
Mihail Gorbaçov
Michail Gorbačëv
Michail Gorbatsjov
Michaił Gorbaczow
Michail Gorbačov

 
Wie Sie sehen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Wiedergabe mit lateinischer Schrift. In Deutschland gilt jedoch diejenige Umschrift als Standard, die Sie auch im hier abgebildeten Alphabet sehen können.
 

 
 

Über den Autor

Christoph Gollub (34) hat Pädagogik an der Universität Regensburg studiert sowie ein Zusatzstudium in Interkultureller Handlungskompetenz absolviert und ist seit dem Jahr 2006 in der Redaktion von Sprachenlernen24 tätig.
 
Zu seinen Aufgaben gehören die Mitarbeit am Sprachenlernen24-Blog, die Entwicklung neuer Sprachkurse und Lernkonzepte, redaktionelle Arbeiten und die Betreuung laufender Kursprojekte.
 
An Fremdsprachen spricht er fließend Englisch und Französisch.
Daneben hat er Grundkenntnisse in Spanisch und Polnisch.
Durch die Betreuung verschiedener neuer Sprachkurs-Projekte hat er sich zudem Basiskenntnisse in Arabisch, Hebräisch, Tschechisch und Russisch angeeignet.
 
Zu seinen privaten Leidenschaften gehören das Reisen, die Musik sowie lesen und Rad fahren.
 

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