Die späte Lust am Sprachenlernen - ein Fitnessprogramm für Ihr Gehirn


 
von Christoph Gollub
 
Wenn ältere Menschen eine neue Fremdsprache lernen, so geschieht dies oftmals nicht, weil sie es müssten, sondern vielmehr, weil sie das Sprachenlernen als Lustprinzip für sich entdecken.
 
Fremde Sprachen zu erlernen macht schließlich Spaß: Nicht nur, dass Sie hiermit fremde Länder und Kulturen entdecken können, leichter Kontakt und Anschluss in anderen Ländern finden und auch fremdsprachliche kulturelle Angebote nutzen können.
 
Das Erlernen einer Fremdsprache ist gleichzeitig eine Art mentales Jogging, das Alterungsprozessen Ihres Gehirns entgegenwirken kann. Und dass Sprachenlernen bis ins hohe Alter gute Erfolge erzielen kann, zeigen zudem Erkenntnisse der Sprachforschung und Neuropsychologie.
 

Sprachenlernen - Jogging für Ihr Gehirn

Mehrsprachigkeit hält fit:
So haben beispielsweise Studien der Universität Tel Aviv zeigen können, dass ältere Menschen im Schnitt geistig aktiver bleiben, wenn sie zwei oder mehr Sprachen beherrschen und anwenden.
 
Nachgewiesen wurde dabei auch, dass altersbedingte Abbauprozesse bei Menschen mit einem hohen Bildungsgrad und einer lebenslang regen geistigen Aktivität offenbar verzögert auftreten. Gerade in der Mehrsprachlichkeit scheint aber ein Schlüssel für die Erklärung dieses Phänomens zu liegen, wie die Untersuchung zeigte:
Bei all denjenigen Probanden, die über vergleichbare Bildungsabschlüsse verfügten, waren diejenigen, die mehrere Sprachen beherrschten, in der Regel klar im Vorteil.
 
Aus diesem Befund kann man den Schluss ziehen, dass also auch Menschen, die während ihrer Schulzeit keine oder nur rudimentär eine Fremdsprache erlernt haben, eine größere Wahrscheinlichkeit aufweisen, dass geistige Alterungsprozesse verringert werden, sofern sie sich in ihrem weiteren Leben eine zusätzliche Sprache neben ihrer Muttersprache angeeignet haben.
 

Warum ist das Erlernen einer Fremdsprache immer ein Vorteil?

Erklärt werden können diese Ergebnisse dadurch, dass man beim Verwenden einer Fremdsprache auf ein komplett verschiedenes Sprachsystem zurückgreifen muss, das einen anderen Wortschatz, eine andere Grammatik und verschiedene Sinnstrukturen gegenüber der Muttersprache beinhaltet.
 
Zudem werden beim Erfassen von Sprache ganz unterschiedliche Hirnregionen aktiviert: Ob beim Hören, Lesen, Sprechen und Verstehen. So wird das Gehirn beim Erlernen und bei der Anwendung von Fremdsprachen immer auch ganzheitlich gefordert und angeregt.
 

Über die Erlernbarkeit von Fremdsprachen bis ins hohe Alter

Zwar reizt es viele ältere Menschen eine neue Fremdsprache zu erlernen, und insbesondere dann, wenn sie das Pensions- oder Rentenalter erreicht haben, jedoch fragen sie sich häufig im Vorfeld, ob dieses Lernvorhaben auch Erfolg zeigen wird.
 
Um diese Frage zu beantworten, soll der Blick zunächst auf neuropsychologische Erkenntnisse gelenkt werden: Das Gehirn eines jeden Menschen ist natürlichen Abbau- und Alterungsprozessen im Laufe seines Lebens unterworfen. Was die Lern- und Behaltensleistung des Gedächtnis angeht, gibt es allerdings deutliche Unterschiede.
 
Vor allem das Kurzzeit- und das Arbeitsgedächtnis sind von Alterungsprozessen am stärksten betroffen und lassen ab dem siebten Lebensjahrzehnt in aller Regel nach. Das Langzeitgedächtnis hingegen, das für Sprachverständnis und für Sachwissen verantwortlich ist, bleibt bis ins hohe Alter am besten erhalten.
 
So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass ein 90jähriger mitunter problemlos lateinische Verben durchkonjugieren kann, jedoch vielleicht Schwierigkeiten hat, sich daran zu erinnern, wo er wenige Minuten zuvor seine Lesebrille hingelegt hat.
 
Insgesamt betrachtet, ist das Erlernen einer Fremdsprache auch in fortgeschrittenen Lebensjahren kein Ding der Unmöglichkeit. Während zwar Lernprozesse insgesamt etwas mehr Zeit benötigen, sind das Sprachverständnis und das Wissen um geeignete Lernverfahren, wie auch das gesammelte kulturelle Lebenswissen an sich, kaum beeinträchtigt.
 
So können gerade ältere Lerner aus einem reichhaltigen Repertoire an Wissen an passenden Lerntechniken schöpfen und mit Tricks und Eselsbrücken ihr nachlassendes Gedächtnis überlisten. Gleichzeitig verfügen sie über einen weit größeren Erfahrungsumfang, mit denen sich das komplexe System Sprache erfassen lässt.
 
Zwar mag das Lernen oft etwas länger als in jüngeren Jahren dauern, aber gerade nach dem Ausschied aus dem Arbeitsleben steht auch meist mehr freie Zeit zu Verfügung, die auf das Lernen einer Fremdsprache aufgewendet werden kann.
 
So werden auch Sie sicher Erfolg haben, wenn Sie eine neue Sprache erlernen. Und wie Sie erfahren haben, machen Sie gleichzeitig ein sinnvolles und nachhaltiges Training für Ihr Gehirn.
 

 
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