Ihre individuelle Sprachenlerngeschichte - und was Sie daraus lernen können


 
von Christoph Gollub
 
Jeder Mensch lernt anders, und so bringt auch jeder von Ihnen seine eigenen, ganz individuellen Erfahrungen zu jedem neuen Lernvorhaben mit. In diesem Artikel werden Sie Anregungen bekommen, wie Sie an diese bisherigen Erfahrungen anknüpfen und hieraus eine positive Motivation für das weitere Lernen einer jeden neuen Fremdsprache ziehen können.
 
In der Sprachwissenschaft haben Untersuchungen gezeigt, dass Menschen eine größere Anzahl von unterschiedlichen Lernstrategien besitzen und diese vor allem auch ganz gezielt einsetzen können, je mehr Fremdsprachenlernerfahrungen sie in ihrem bisherigen Leben gemacht haben.
 
Das bedeutet für Sie persönlich also, dass es Ihnen das Lernen einer weiteren, neuen Fremdsprache wesentlich erleichtern wird, wenn Sie bereits Lernerfahrungen mit anderen Fremdsprachen gemacht haben. Je intensiver und positiver diese Erlebnisse waren, desto stärker können Sie davon profitieren und sich die neue Sprache schnell und effektiv erschließen.
 

Ergebnisse der Sprachlernforschung

Die Sprachlernforschung konnte nachweisen, dass Lerner, die eine Vielzahl an unterschiedlichen Lernstrategien in ihrer Lernbiographie ausprobiert und erfolgreich angewandt haben, im Durchschnitt stärker motiviert sind und sehr konzentriert an eine neue Fremdsprache herangehen.
 
So können sie ihre Lernmethoden und -fortschritte deutlich besser einschätzen und weisen eine größere Risikobereitschaft und Ambiguitätstoleranz auf als Lerner, die nur über eine kleine und überschaubare Zahl an Lernerfahrungen mit wenigen ausprobierten Strategien verfügen. Unter dem Begriff Ambiguitätstoleranz wird hierbei übrigens die Fähigkeit verstanden, Widersprüchlichkeiten, Zweideutigkeiten und kulturell bedingte Unterschiede zu erkennen und angemessen zu deuten.
 
Beim Lernen einer Sprache werden Ihnen schließlich immer wieder Dinge auffallen, die Sie auf den ersten Blick für Unstimmigkeiten halten werden, da sie im (auch vermeintlichen) Widerspruch zu bereits Erlerntem stehen. Solche Unstimmigkeiten können etwa beim Lernen grammatischer Strukturen auftauchen, etwa durch Ausnahmen von der Regelhaftigkeit oder bei starken Unterschieden zwischen der Grammatik der eigenen Muttersprache und der Fremdsprache.
 

An jede Sprachlernerfahrung kann angeknüpft werden

Nun sollen Sie natürlich nicht entmutigt und vom Lernen einer Ihnen noch unbekannten Fremdsprache abgehalten werden, wenn Sie etwa "bloß" in der Schule eine Fremdsprache erlernt haben - und diese vielleicht auch nur mehr sporadisch sprechen, seitdem Sie die Schule verlassen haben.
 
Im Gegenteil: Jedes bisherige Fremdsprachenlernen wird Ihnen helfen, sich neue Sprachen zu erschließen und bereits erworbene Kenntnisse wieder aufzufrischen. Gleichfalls werden Sie von allen neuen Lernerfahrungen auch für andere Bereiche Ihres Lebens profitieren können. Die Fähigkeit zum strukturierten Lernen und Analysieren sowie die hiermit gemachten Erfahrungen und Lernstrategien werden Ihnen auch bei anderen Lernvorhaben helfen, die nicht unbedingt nur etwas mit dem Lernen von Sprache zu tun haben, beispielsweise bei Prüfungsvorbereitungen, bei beruflichen Fortbildungen und vielem anderen mehr.
 

Wie Sie Ihre bisherigen Erfahrungen am besten ausnutzen können

Wenn Sie nun eine Fremdsprache erlernen möchten, ist es wichtig, einen Rückgriff herstellen zu können auf Ihre bereits erworbenen bewussten, aber auch unbewussten Lernstrategien. Denken Sie beispielsweise einmal daran, wie Sie in früheren Lernphasen Vokabeln gelernt haben.
 
Haben Sie hierfür Karteikärtchen verwendet, immer eine bestimmte Anzahl gelernt, oder beispielsweise versucht, diese in einen Zusammenhang zu bereits gelernten Wörtern zu stellen?
Haben Sie sich Assoziationen oder andere "Eselsbrücken" ausgedacht, mit denen Sie besser und schneller lernen konnten?
Wie oft wiederholten Sie die Vokabeln und in welchen zeitlichen Abständen? Oder hat es Ihnen geholfen, sich die Wörter laut vorzusprechen?
Oder haben Sie aber ganz andere Methoden verwendet als die hier beschriebenen?
 
Strukturieren Sie daher bereits im Vorfeld Ihr Lernvorhaben, indem Sie sich überlegen und notieren, welche Lernmethoden Ihnen Freude bereitet haben und ob Sie mit diesen auch erfolgreich lernen konnten. Genauso sollten Sie sich fragen, welche anderen Methoden Ihnen nicht gelegen haben. Versuchen Sie anschließend zu ergründen, weshalb die eine Methode bei Ihnen Erfolg hatte und die andere weniger.
 
Selbst wenn Sie zu dem Ergebnis gekommen sein sollten, dass Sie das Gefühl haben, bislang eher unstrukturiert gelernt zu haben, bietet das neue Fremdsprachenvorhaben hervorragende Möglichkeiten, verschiedene Lernmethoden auszuprobieren und dabei zu testen, mit welcher Methode Sie besonders zielgerichtet und strukturiert lernen können.
 
In einem weiteren Artikel auf diesem Blog von Sprachenlernen24 können Sie erfahren, welche weiteren Einflüsse die persönliche Lerngeschichte auf aktuelles und zukünftiges Lernen aufweist. Andererseits finden Sie im Blog auch noch viele weitere Anregungen und Lernmöglichkeiten, die Sie für Ihr weiteres Fremdsprachenlernen sinnvoll einsetzen können und die Ihnen helfen über das Lernen an sich nachzudenken.
 
 

Über den Autor

Christoph Gollub (34) hat Pädagogik an der Universität Regensburg studiert sowie ein Zusatzstudium in Interkultureller Handlungskompetenz absolviert und ist seit dem Jahr 2006 in der Redaktion von Sprachenlernen24 tätig.
 
Zu seinen Aufgaben gehören die Mitarbeit am Sprachenlernen24-Blog, die Entwicklung neuer Sprachkurse und Lernkonzepte, redaktionelle Arbeiten und die Betreuung laufender Kursprojekte.
 
An Fremdsprachen spricht er fließend Englisch und Französisch.
Daneben hat er Grundkenntnisse in Spanisch und Polnisch.
Durch die Betreuung verschiedener neuer Sprachkurs-Projekte hat er sich zudem Basiskenntnisse in Arabisch, Hebräisch, Tschechisch und Russisch angeeignet.
 
Zu seinen privaten Leidenschaften gehören das Reisen, die Musik sowie lesen und Rad fahren.
 

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