Die Schriften der Welt: das griechische Alphabet


 
von David Barenberg
 
In diesem Artikel unserer Blog-Serie über die Schriften der Welt möchten wir Ihnen eine weitere Schrift vorstellen: das griechische Alphabet.
 
Das griechische Alphabet wurde aus dem phönizischen Alphabet weiterentwickelt, besitzt heute 24 Zeichen und wird von links nach rechts geschrieben. Das phönizische Alphabet bestand hingegen aus 22 Konsonantenzeichen und wurde von rechts nach links geschrieben.
 
Die phönizische Schrift ist die älteste Buchstabenschrift Europas und wurde ab dem 11. Jahrhundert vor Christus verwendet. Sie ist Grundlage bzw. Vorläufer sowohl der griechischen als auch der aramäischen Schrift, aus der wiederum die hebräische und die arabische Schrift hervorgingen. Somit ist das phönizische Schriftsystem Grundlage für fast alle heutigen alphabetischen Schriften.
 
Das griechische Alphabet hat im Gegensatz zum phönizischen eine entscheidende Änderung. Es gibt nicht nur Buchstabenzeichen für Konsonanten, sondern auch für Vokale. Dies unterscheidet das griechische Alphabet beispielsweise vom hebräischen oder arabischen Alphabet. Das griechische Alphabet war somit das erste Alphabet mit Vokalzeichen.
 
Arabisch und Hebräisch verwenden bis heute sogenannte Konsonantenschriften, bei denen die Vokale nicht unbedingt zum Schriftbild gehören.
 

Orthographie und Aussprache des griechischen Alphabets

Das griechische Alphabet hat sich bis heute fast unverändert erhalten. So wird das in der Gegenwart geschriebene Neugriechisch mit dem gleichen Alphabet geschrieben, wie das Altgriechisch der Antike. Es haben sich nur einige diakritische Zeichen verändert bzw. sind im heutigen Neugriechisch verschwunden.
 
Sehen Sie nun eine kurze Übersicht des griechischen Alphabets:
 
Buchstabe
Name (altgriechisch)
Name (neugriechisch)
Transkription (altgriechisch)
Transkription (neugriechisch)
A, α
Alpha (ἄλφα)
álfa (άλφα)
a
a, αι=e
B, β
Beta (βῆτα)
víta (βήτα)
b
v
Γ, γ
Gamma (γάμμα)
gáma (γάμμα)
g
g, γγ=ng, γκ=ng, γχ=nch, γξ=nx
Δ, δ
Delta (δέλτα)
délta (δέλτα)
d
d
Ε, ε
Epsilon (ἔψιλον)
épsilon (έψιλον)
e
e, entfällt vor ι
Ζ, ζ
Zeta (ζῆτα)
zíta (ζήτα)
z
z
Η, η
Eta (ἦτα)
íta (ήτα)
ē
i
Θ, θ
Theta (θῆτα)
thíta (θήτα)
th
th
Ι, ι
Iota (ἰῶτα)
ióta (ιώτα)
i
i
Κ, κ
Kappa (κάππα)
kápa (κάππα)
k
k
Λ, λ
Lambda (λάμβδα)
lámda (λάμδα)
l
l
Μ, μ
My (μῦ)
mi (μι)
m
m
Ν, ν
Ny (νῦ)
ni (νι)
n
n
Ξ, ξ
Xi (ξῖ)
xi (ξι)
x
x
Ο, ο
Omikron (ὄμικρον)
ómikron (όμικρον)
o
o, entfällt vor ι
Π, π
Pi (πῖ)
pi (πι)
p
p, μπ=mb
Ρ, ρ
Rho (ῥῶ)
ro (ρω)
r(h)
r
Σ, σ oder ς (am Wortende)
Sigma (σίγμα)
sígma (σίγμα)
s
s
Τ, τ
Tau (ταῦ)
taf (ταυ)
t
t, ντ=nd
Υ, υ
Ypsilon (ὔψιλον)
ýpsilon (ύψιλον)
y
y, nach Vokale v oder f
Φ, φ
Phi (φῖ)
fi (φι)
ph
f
Χ, χ
Chi (χῖ)
chi (χι)
ch
ch
Ψ, ψ
Psi (ψῖ)
psi (ψι)
ps
ps
Ω, ω
Omega (ὠμέγα)
oméga (ωμέγα)
ō
o

 
Wie bereits erwähnt, hat sich das griechische Alphabet bis heute kaum verändert. So werden neugriechische und altgriechische Wörter teilweise identisch geschrieben, unterscheiden sich jedoch stark in der Aussprache.
 
Dies kommt daher, dass sich die lautsprachliche Veränderung des Griechischen von der Antike bis jetzt nicht auf die Orthographie ausgewirkt hat.
 

Altgriechisch

Das altgriechische Alphabet war das erste Alphabet mit Vokalzeichen. Es hatte eine relativ eindeutige Zuordnung was die Orthographie und die Aussprache anbelangt. Durch die Verwendung von Diphthongen (zwei Vokale mit denen ein Laut dargestellt wird, im Deutschen z.B. „ei“), konnte man im Altgriechischen trotz der nur sieben Vokalzeichen die zwölf unterschiedlichen Vokallaute darstellen.
 
Welchen Einfluss die griechische Sprache auf ganz Europa hatte kann, man im Deutschen an Aussprüchen wie z. B. „Das ist das A und O.“ erahnen. Mit „A und O“ sind hier der Anfangs- und der Endbuchstabe des altgriechischen Alphabets gemeint, nämlich A für Alpha und O für Omega.
 
Die altgriechische Sprache verbreitete sich zuerst unter der Vormachtstellung Athens und des attischen Seebundes im Mittelmeerraum. Später unter Alexander dem Großen und danach im römischen Reich verbreitete sich das Griechische in der gesamten antiken Welt als Wissenschaftssprache.
 

Neugriechisch

Die neugriechische Sprache besitzt im Gegensatz zum Altgriechischen nur noch fünf Vokale. Im Gegensatz zu anderen Sprachen ist die richtige Akzentuierung der Worte im Neugriechischen entscheidend für die Bedeutung eines Wortes. Der betonte Vokal wird im Griechischen durch einen Akzent gekennzeichnet.
 
Spricht man ein Wort falsch akzentuiert aus, wird man von Muttersprachlern oft falsch oder gar nicht verstanden. Das Wort „nómos“ (νόμος = Gesetz) unterscheidet sich von dem Wort „nomós“ (νομός = Bezirk) nur durch die Betonung.
Im Deutschen hat man dieses Problem nicht und so wird beispielsweise das Wort „Fenster“ (Fénster = Betonung auf dem ersten e) auch verstanden, wenn Sie das Wort falsch betonen.
 
Im Neugriechischen findet man mittlerweile viele Fremdwörter, unter anderem aus dem Türkischen, Italienischen und Französischen. Anders als im Altgriechischen, ist im Neugriechischen auch die Bildung von zusammengesetzten Wörtern sehr leicht.
 

Transkription

Die neugriechische Sprache besitzt anders als das Altgriechische nur noch fünf Vokale. Im Gegensatz zu anderen Sprachen ist die richtige Akzentuierung der Worte im Neugriechischen entscheidend für die Bedeutung eines Wortes. Der betonte Vokal wird im Griechischen durch einen Akzent gekennzeichnet.
 
Bei der Transkription vom altgriechischen ins lateinische Alphabet hat man sich auf eine einheitliche Linie einigen können, von der es nur kleinere Abweichungen gibt, z.B. bei den Buchstaben "ω" (Omega) und "ο" (Omikron). Beim Neugriechischen hat man sich bis jetzt noch auf keine einheitliche Form einigen können. Einige orientieren sich am Schriftbild des Neugriechischen, andere an der Aussprache des Neugriechischen.
 

 
 

Über den Autor

David Barenberg hat zunächst Politikwissenschaften in Bamberg und danach Bauingenieurwesen in München studiert.
Trotz seiner vielfältigen Arbeitseinsätze als Bauingenieur, hat er sich 2005 entschieden den Beruf zu wechseln und sich seiner Leidenschaft für fremde Kulturen und Sprachen zuzuwenden.
 
Zusammen mit Christine Tettenhammer entwickelt er neue Softwarekonzepte. Dabei übernehmen sie gemeinsam die Projektleitung für die Neuentwicklungen und die Betreuung der externen Mitarbeiter. Als Leiter der Systemadministration und stellvertretender Geschäftsführer ist er außerdem Ansprechpartner für die internen Mitarbeiter von Sprachenlernen24.
 
David Barenberg ist durch seine ethnische Herkunft (deutsch und indonesisch) zweisprachig aufgewachsen.
Er spricht Englisch, Indonesisch, Französisch und Spanisch. Durch die Arbeit bei Sprachenlernen24 hat er sich außerdem Basiskenntnisse in Italienisch, Griechisch, Albanisch und Finnisch angeeignet.
 
David Barenberg besitzt einen großen internationalen Freundeskreis und ist glückliches Familienoberhaupt einer kinderreichen Familie. Als ausgebildeter Sänger und Pianist gibt er seine Freude zur Musik an seine Kinder weiter. Er ist außerdem aktiver Tänzer mit Schwerpunkt auf HipHop New Style, Breakdance und Locking/Popping.
 

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