„Was ist ein Anglizismus? oder: Denglisch für Beginner“


 
von Christine Tettenhammer
 
Als Anglizismus bezeichnet man eine Übernahme oder Entlehnung aus der englischen Sprache ins Deutsche. Es hat sich auch eingebürgert, bei diesen Einflüssen des Englischen auf das Deutsche die Wort-Kreuzung „Denglisch“ zu verwenden.
 
Anglizismen finden wir in allen Bereichen der deutschen Sprache:
 
Vor allem werden sie fester Bestandteil des deutschen Wortschatzes. Im Duden zum Beispiel findet man seit mehreren Jahren unter dem Eintrag „Job“ den englischen Begriff, der eine Arbeit oder Arbeitsstelle bezeichnet.
 
Im Bereich der Formenlehre setzt sich der englische Genitiv (geschrieben mit einem Apostroph-S) durch und verdrängt auf Schildern und Werbetafeln den deutschen Genitiv, der durch Anfügung des S gebildet wird.
 
Aber auch auf anderen Ebenen (in der Syntax und der Lautung) übernimmt das Deutsche in den letzten Jahren vieles aus dem Englischen.
 
Diese Übernahmen aus dem Englischen finden aber nicht allein im Deutschen statt. In vielen anderen Sprachen der Welt kann man solche oder ähnliche Prozesse ebenfalls beobachten.
 

Interessante Links zum Thema „Anglizismen“ in anderen Sprachen

Hier finden alle, die Niederländisch lernen, einen Eintrag in Wikipedia der Online-Enzyklopädie zum Thema Anglicisme. Hier lesen Sie zum Beispiel, dass man in der niederländischen Umgangssprache des Öfteren hört: „Hij heeft een punt.“ - Hier hat man die englische Redewendung „He's got a point“ (dt.: Hier hat er Recht.) einfach ins Niederländische übersetzt und eingebürgert.
 
Auch in der portugiesischen Version der Wikipedia kann man sich über Einflüsse aus dem Englischen auf das Portugiesische informieren. Im brasilianischen Portugiesisch finden wir besonders viele Übernahmen aus dem amerikanischen Englisch. Diese werden teilweise einfach in die Sprache übernommen oder es wird versucht sie an das Portugiesische in Aussprache und Schreibung anzupassen.
 
In Frankreich hat man versucht diese sprachliche Entwicklung gesetzlich zu regeln bzw. die Übernahme von zu vielen englischen Einflüssen ins Französische zu verhindern. Es gibt in Frankreich zum Beispiel die Vorschrift, dass 40 Prozent des Musikprogramms eines französischen Radiosenders aus französisch-sprachiger Musik bestehen müssen. All diese Vorschriften findet man im „Loi Toubon“- dem Gesetz aus dem Jahr 1994, das der Volksmund nach dem Kulturminister Jacques Toubon benannt hat, der für dieses Gesetz federführend war.
 

Falsche Freunde unter den Anglizismen

Wenn Sie sich als Englisch-Lernen nun freuen und sagen: „Aber das ist doch alles eigentlich kein Problem: Ich kann doch Englisch!" – und: "Was schadet es, wenn ich auf diese Weise meinen Wortschatz noch um ein paar Vokabeln mehr erweitern kann?“
 
In diesem Fall müssen Sie ein bisschen aufpassen: Nicht alle Wörter, die einem deutschen Muttersprachler „englisch vorkommen“ sind auch wahre Anglizismen. Des Öfteren schon hat der sprichwörtliche Lern-Fleiß der Deutschen wunderschöne Stilblüten hervorgebracht.
 
Bitte versuchen Sie nie einen Freund in England oder Amerika zu bitten, Sie auf Ihrem „Handy“ anzurufen. Handys kennt man im englischen Sprachraum nämlich nicht. In Großbritannien telefoniert man unterwegs mit einem „mobile phone“ - kurz „mobile“. Und in den USA drückt man sich ein „cell phone“- kurz „cell“ ans Ohr.
 
Und das ist nur ein Beispiel unter vielen. Vielleicht hilft Ihnen diese kleine Wortschatz-Sammlung dabei, diesen falschen Freunden nicht auf den Leim zu gehen:
 
  • Wenn man auf Deutsch etwas „cool“ findet, würde man in der amerikanischen Umgangssprache „phat“ sagen.
  • Wenn Sie für Ihre Präsentation bei Ihren amerikanischen Kollegen einen „Beamer“ erbitten wollen, wird man Ihnen ein Gerät zum Anschärfen einer Kette geben oder Ihnen einen BMW als Firmenwagen anbieten. Das Ding aber, mit dem man Ihre Power-Point-Präsentation auf der Leinwand zum Erscheinen bringt, heißt „projector
  • Wenn man in einer amerikanischen Boutique nach einem „body bag“ fragt (als Deutscher versteht man darunter eine Umhängetasche), würde man die verschnupfte Antwort bekommen, dass dies wohl nicht der richtige Ort ist, um einen „Leichensack“ zu kaufen.
  • Mobbing – wenn man im englischen Sprachraum einen Kollegen am Arbeitsplatz schikaniert, nennt man das „bullying“.
  • Oldtimer – heißt auf Englisch eigentlich: „vintage car“.
  • Wenn Sie sich heute Abend mal richtig schick machen und Ihren Smoking anziehen, würde Ihre amerikanische Freundin nicht verstehen, was Sie meinen. In den USA würden Sie einen „tuxedo“ - kurz „tux“ anlegen. In Großbritannien streift man zu formalen Anlässen übrigens ein „dinner jacket“ über.
     
  • In den deutschen Medien ergötzen wir uns ja gerne an einem unterhaltsamen Talkmaster. In England oder Amerika nennt man diesen aber „show host“ oder „show master“.
     
     
  • Über die Autorin

    Christine Tettenhammer ist Chefredakteurin bei Sprachenlernen24.
     
    Zusammen mit ihrem Redaktionsteam verantwortet sie den Sprachenlernen24-Blog, betreut die redaktionelle Erarbeitung der Grammatiken und entwickelt neue Softwarekonzepte.
     
    Christine hat von 1999 bis 2004 Kommunikationswissenschaft, Amerikanistik und Neuere Deutsche Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert.
    Sie ist ausgebildete Sprecherin und leiht all unseren Deutschaufnahmen ihre Stimme.
    In ihrer Freizeit findet man Christine auf Münchens ältester, noch spielender Laienbühne.
     
    Sie spricht Englisch, Bairisch, Portugiesisch und Spanisch – verfügt außerdem über erweiterte Grundkenntnisse in Französisch, Kroatisch und Chinesisch.
     
    Wenn Christine ins Kino geht, schaut sie sich Filme am liebsten im Original an.
    Ihre Liebe zu Büchern in der Originalsprache bekommen auch ihre Bücherregale zu spüren, deren Regalbretter nicht nur an deutschen Autoren schwer zu tragen haben, sondern auch reich befüllt sind mit Werken von Burrhus Frederic Skinner, Philip Roth, Jonathan Safran Foer, Fernando Pessoa, Jorge Amado und vielen anderen.

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