Das Übersetzen von und in die Muttersprache:
Deutsch-Fremdsprache oder Fremdsprache-Deutsch?


 
von Regina Schwojer
 
Manche erinnern sich vielleicht noch aus der Schulzeit an seitenlanges Übersetzen – beispielsweise im Lateinunterricht. Lange Zeit hielt man nämlich das Übersetzen für die ideale Methode, um eine fremde Sprache zu lernen. Glücklicherweise ist diese Zeit vorbei und Ziel des Sprachenlernens ist nicht mehr, klassische Literatur Wort für Wort ins Deutsche zu übertragen, sondern kommunikative Kompetenz für den Alltag zu entwickeln.
 
Dennoch ist das Übersetzen als Lernmethode nicht völlig von der Hand zu weisen. Fremdsprachliche Sätze ins Deutsche zu übersetzen oder deutsche Sätze in die Fremdsprache zu bringen, ist eine effektive Ergänzung und sinnvolle Übung beim Sprachenlernen. Hier erfahren Sie unter anderem auf welchem Niveau Sie welche Übersetzungsmethode sinnvoll einsetzen können.
 
Denn auch im Alltag oder im Urlaub sind Übersetzungsfähigkeiten immer gefragt:
Sie als Spezialist für eine bestimmte Fremdsprache müssen Familienmitgliedern oder Freunden vielleicht erklären, was diese oder jene Schilder auf Deutsch bedeuten. Eventuell werden Sie von einem Kollegen auch gefragt, was ein bestimmter deutscher Ausdruck in „Ihrer“ Fremdsprache heißt.
 
Manche Sprachenlerner machen das Übersetzen sogar zum Beruf: Literatur- oder Fachübersetzer übertragen meist fremdsprachliche Texte ins Deutsche.
 
  • Warum ist der umgekehrte Fall, also das Übersetzen vom Deutschen in die Fremdsprache, aber eher selten?
  • Was sind die Unterschiede zwischen dem Übersetzen vom Deutschen in die Fremdsprache und dem Übertragen aus einer Fremdsprache ins Deutsche?
  • Worin bestehen die besonderen Herausforderungen einer jeden „Übersetzungsrichtung“?
  • Welche Richtung ist für Sie auf welchem Sprachniveau am sinnvollsten?

Deutsch-Fremdsprache als Herausforderung

Allgemein ist es wesentlich schwerer, aus dem Deutschen in eine Fremdsprache zu übersetzen als andersherum.
 
Nicht umsonst übersetzen beispielsweise literarische Übersetzer fast ausnahmslos in ihre Muttersprache, da man in seiner ersten Sprache das sicherste Sprachgefühl und den differenziertesten Wortschatz hat.
 
Viele deutsche Wissenschaftler aber gehen immer wieder genau den anderen Weg:
Sie müssen ihre deutschen Publikationen zum Beispiel ins Englische übersetzen, um ihre Forschungsarbeiten der weltweiten Gemeinschaft der Wissenschaftler zugänglich zu machen.
 
Auch viele Unternehmen in Deutschland halten ihre Mitarbeiter inzwischen dazu an, ihre geschäftlichen E-Mails in einer Fremdsprache (meist in Englisch) zu verfassen, da man so auch problemlos Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern an dem Austausch teilhaben lassen kann.
 

Schwierigkeiten beim Übersetzen ins Deutsche

Übersetzt man in die Muttersprache, besteht die größte Herausforderung darin, unbekannte Wörter im fremdsprachlichen Text ins Deutsche zu übertragen. Diese Probleme sind jedoch mit Hilfe eines Wörterbuches schnell behoben.
 
Bei dieser Art von Übersetzen zerbricht man sich häufig den Kopf, weil man nicht weiß, wie man ein bestimmtes Konzept am besten im Deutschen ausdrückt. Besonders schwierig ist die Übertragung ins Deutsche natürlich bei kulturspezifischen Ausdrücken. Manche Sachen „sagt man im Deutschen einfach so nicht“. Teilweise fehlt zu manchen fremdsprachlichen Bezeichnungen auch das deutsche Pendant. Zwei kurze Beispiele aus dem Englischen:
Wie würden Sie „to be out of one's mind“ übersetzen? Wie sagt man auf Deutsch, jemand sei „not the brightest crayon in the box“?
 

Andere Fragestellung beim Übertragen in die Fremdsprache

Ganz anders ist die Fragestellung beim Übersetzen aus dem Deutschen in eine Fremdsprache: Im deutschen Text ist im Regelfall alles klar.
 
Man wird sich jedoch deutlich des Unterschieds zwischen dem passiven und dem aktiven Wortschatz bewusst:
Liest man beispielsweise das fremdsprachliche Wort für „Schaukelstuhl“, wäre man wahrscheinlich in der Lage dieses aus dem Kontext oder wegen verwandter Wörter zu erschließen. Solch ein Wort hingegen aktiv verwenden zu können, dauert viel länger.
 
Der passive Wortschatz ist übrigens immer viel größer als der aktive, selbst in der Muttersprache! Zudem in der Fremdsprache die richtigen Wörter zu finden, die passenden Ausdrücke zu wählen, die korrekte Satzstellung zu beachten, die angemessene Stilebene zu treffen und die richtige Zeit zu wählen ist eine wahre Herausforderung. Deshalb ist das Übersetzen von authentischen, unvereinfachten deutschen Texten nur fortgeschrittenen Lernern zu empfehlen. Im deutschen Bildungssystem beispielsweise wird diese Leistung auch erst an den Universitäten verlangt.
 

Übersetzen in die Fremdsprache als Übungsmöglichkeit

Nichtsdestotrotz ist das Übersetzen in die Fremdsprache eine sehr effektive Möglichkeit, um seine eigenen Kenntnisse auf den Prüfstand zu stellen und dadurch seine Sprachbeherrschung auch wirklich zu verbessern.
 
Ideal wäre, wenn Sie Ihre Übersetzung anschließend mit einer Musterlösung vergleichen oder noch besser von einem Muttersprachler korrigieren lassen.
 
Auch für Anfänger ist es eine gute Übung und Anwendungsmöglichkeit, einen Text aus der Mutter- in die Fremdsprache zu übertragen; jedoch sollte man darauf achten, dass der Text nur bekannte Grammatikstrukturen verwendet und auch das Vokabular größtenteils bekannt ist. Ebenso ist es empfehlenswert, sich zunächst auf kürzere Sätze zu konzentrieren.
 
Ein kleiner Tipp: Bevor Sie sich einen Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vornehmen, fangen Sie erst klein an. Nehmen Sie die Gelegenheit wahr, in Alltagssituationen den Dolmetscher zwischen deutschen und nicht-deutschen Bekannten zu spielen. Übertragen Sie Ihr liebstes Kinderbuch oder Bilderbuch in die Fremdsprache, die Sie gerade lernen und beglücken Sie Kinder aus Ihrem Bekanntenkreis, die diese Fremdsprache sprechen. Oder versuchen Sie mal, Ihren deutschen Lieblingswitz in der Fremdsprache zu erzählen!
 
 

Über die Autorin

Regina Schwojer ist Werkstudentin bei Sprachenlernen24.
Sie hat einen Spezialwortschatz für Au-pairs entwickelt und widmet sich neben Korrekturen und redaktionellen Tätigkeiten der Erarbeitung der Grammatiken zusammen mit den jeweiligen Muttersprachlern. Bisher hat Regina die Grammatiken des Rumänischen, des Finnischen, des Italienischen und des Spanischen mitentwickelt.
 
Seit April 2008 studiert Regina Anglistik, Italianistik und die Didaktik des Deutschen als Fremdsprache an der LMU München. Im Rahmen ihres Studiums beschäftigt sie sich am liebsten mit Literatur. Sie möchte auch in Zukunft im großen und spannenden Tätigkeitsbereich der Sprachvermittlung bleiben.
 
Auch in ihrer Freizeit lernt Regina gerne Sprachen: Sie spricht mit großer Begeisterung Spanisch und Niederländisch, sodass sie es (wenn man ihre passiven Bairischkenntnisse und das Französisch aus der Schulzeit außen vor lässt) auf fünf Sprachen bringt.
 
Regina reist viel und hat schon mehrmals längere Zeit im Ausland verbracht. Sie spielt Gitarre und tanzt alles von Standard über Zumba bis Salsa. Regina geht gerne laufen, schwimmen und radeln und hat sich vorgenommen, irgendwann an einem richtigen Triathlon teilzunehmen.
 

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