Welche Sprachen gehören zu einer Sprachfamilie?: Teil 1 - Sprachfamilien in und um Europa


 
von Konstanze Fassbinder
 

Die indogermanische Sprachfamilie

Die meisten Sprachen, die in Europa gesprochen werden, gehören zur Familie der indoeuropäischen Sprachen. Diese wiederum ist gegliedert in die baltischen und slawischen (Balto-Slawisch), die keltischen, italischen, anatolischen und germanischen Sprachen.
 
Außerdem gehören Griechisch, Albanisch, Armenisch, und Tocharisch zur indogermanischen Familie, obwohl sie nicht Teil eines der eben aufgezählten Unterzweige sind. Des Weiteren sind - wie der Name der Familie bereits andeutet - die Indischen (bzw. indoarische) und die iranischen (Indo-Iranisch) Sprachen Mitglieder der indoeuropäischen Sprachfamilie.
 

Die uralischen Sprachen

Eine weitere Sprachfamilie in Europa ist die Uralische. Obwohl nur 25 Millionen Menschen eine der 20 Sprachen dieser Familie sprechen, erstreckt sich ihr Sprachgebiet von Nordschweden bis Sibirien.
 
Die Familie teilt sich in zwei sehr unterschiedlich große Zweige, den samojedischen und den finnisch-ugrischen Zweig. Ersterer besteht aus vier Sprachen und insgesamt nur 10.000 Sprechern, die im Gebiet zwischen Nowaja-Semlja und Jenissey größtenteils nomadisch leben.
 
Letzterer beinhaltet zwei wichtige europäische Sprachen, die nicht zur indoeuropäischen Familie gehören, nämlich Finnisch und Ungarisch, außerdem die Sprache der Lappen, die als verstreute Nomaden in nördlichen Gebieten Finnlands, Schwedens, Norwegens und Russlands leben und weitere, im Gebiet der Wolga angesiedelte Sprachen.
 
Die Hauptsprachen der uralischen Familie sind Ungarisch (Magyar), Finnisch (Suomi), Estnisch, Mordwinisch (gesprochen im Ostteil des europäischen Russlands und in der Titularnation Mordwinien), Mari (oder Tscheremissisch, gesprochen in der autonomen Republik Mari El im östlichen Teil des europäischen Russlands), Udmurtisch (gesprochen in der Republik Udmurtien, Teil des russischen Föderationskreises Wolga) und Komi (gesprochen in der russischen Teilrepublik Komi).
 
Die hypothetische Ursprache wird als "Proto-Uralisch" bezeichnet und war vermutlich vor 8000 Jahren im mittleren Ural verbreitet. Die Einzelsprachen haben sich heute weit voneinander weg entwickelt, sowohl innerhalb der gesamten Familie als auch innerhalb des finno-ugrischen Zweiges.
 
So tut sich ein Finne vermutlich beim Ungarisch-Lernen trotz Sprachverwandtschaft auch nicht leichter als ein der indogermanischen Sprachfamilie angehörender Schwede.
 
Die Gemeinsamkeiten, welche die Familie als solche ausmachen, sind hier mehr in Lautbild (Phonologie) und Sprachbau (Grammatik, Syntax, Morphologie) als im Wortschatz zu finden.
 

Die afroasiatischen Sprachen

Diese - früher "hamito-semitisch" genannte Familie - umfasst mehr als 300 Sprachen und über 300 Millionen Sprecher. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich in Ost-West-Richtung vom Atlantik bis zum Persischen Golf und in Nord-Süd-Richtung vom Mittelmeer bis nach Äthiopien und Somalia, also vom Norden Afrikas bis nach Westasien.
 
Zu ihr gehören jahrtausende alte Sprachen wie z.B. Altägyptisch und dessen moderne Fortsetzung, Koptisch, außerdem Babylonisch-Assyrisch, die Sprache der meisten Bücher des Alten Testaments und lange Zeit als älteste Sprache überhaupt angesehen und Aramäisch, die heute noch vereinzelt im Iran und Irak gesprochene Sprache Jesu' Christi.
 
Die afroasiatische Sprachfamilie besteht aus etwa 350 Sprachen, die von rund 350 Millionen Sprechern gesprochen werden. Etwa 40 der von ihr bekannten Sprachen sind heute jedoch bereits ausgestorben.
 
Die Familie wird heutzutage in sechs Zweige aufgeteilt, den ägyptischen, den kuschitischen, den tschadischen, den omotischen, den berberischen und den semitischen Zweig, welcher die meisten Sprecher hat.
 
Als einzige Sprache Europas gehört Maltesisch zu den afroasiatischen Sprachen, genauer gesagt zu den semitischen Sprachen.
 
Die wichtigsten und bekanntesten semitischen Sprachen sind Arabisch und Hebräisch.
 

Die altaischen Sprachen

Altaisprachen oder kurz auch Altaisch ist eine in Eurasien weit verbreitete Sprachfamilie, die aus etwa 60 Sprachen mit rund 160 Millionen Sprechern besteht. Ihre Benennung geht auf das zentralasiatische Altai-Gebirge zurück; zu ihr gehören die türkischen, tungusischen und mongolischen Sprachen.
 
Der gemeinsame Ursprung dieser drei Zweige ist allerdings lediglich nur ein vermuteter, bewiesen ist er nicht. Früher wurde diese Familie häufig mit der uralischen zur Familie der "uralisch-altaischen" Sprachen zusammengefasst.
 
Die Turksprachen erstrecken sich über ein großes Gebiet vom Rande Europas bis weit nach Sibirien und Persien hinein; es gibt verwirrend viele und sehr eng miteinander verwandte Einzelsprachen. Die den meisten Europäern wohl Bekannteste ist das moderne Türkisch. Zu den wichtigsten, offiziellen Turksprachen gehören Aserbaidschanisch, Kasachisch, Kirgisisch, Usbekisch und Turkmenisch.
 
Mongolisch als Staatssprache der Mongolischen Republik ist die größte der mongolischen Sprachen, mit ihr verwandt sind die Sprachen Burjatisch, Tuwinisch und Kalmückisch, die alle auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion gesprochen werden. Weitere Sprachen dieses Zweiges finden sich in China, Afghanistan, Tibet und in der Mandschurei.
 

Die kaukasischen Sprachen

Bereits vor der Einwanderung indogermanischer, semitischer und turkischer (oder türkischer) Bevölkerungsgruppen, sprach man im Gebiet des Kaukasus von kaukasischen Sprachen. Von diesen gibt es rund 40 unterschiedliche, die von etwa 9 Millionen Sprechern gesprochen werden.
 
Die kaukasischen Sprachen geben Forschern und Linguisten zahlreiche Rätsel auf. Ihre verwirrende Vielfältigkeit lässt die Bezeichnung als Familie nur unter Vorbehalt zu. Grob gesagt kann man alle Sprachen beiderseits des Kaukasus als solche bezeichnen. Wenn man es jedoch genauer nimmt, so gilt dieser Name nur für diejenigen Sprachen, die im beschriebenen Gebiet nicht indogermanisch sind, was etwa 30 bis 40 Sprachen ergibt, die von rund 10 Millionen Menschen gesprochen werden.
 
Wie bei den altaischen Sprachen ist hier unsicher, ob diese Sprachen wirklich alle miteinander genetisch verwandt sind, vor allem auch deshalb, weil schriftliche Zeugnisse fast komplett fehlen.
 
Man unterscheidet die kaukasischen Sprachen in drei Gruppen: Nordwestkaukasisch oder Abchaso-Adygeisch ist am Schwarzen Meer gelegen; zu ihm gehören die Sprachen Abchasisch, Karatschaisch und Kabardinisch. Zum nordöstlichen, am Kaspischen Meer gelegenen nordostkaukasischen oder nach-dagestanischen Zweig gehören Tschetschenisch, Inguschisch und die in Dagestan gesprochenen Sprachen. Der dritte kaukasische Zweig, Südkaukasisch oder Kartwelisch, erstreckt sich südlich des kaukasischen Hauptgebirgszugs. Zu ihm gehört Georgisch, die wohl bekannteste kaukasische Sprache.
 
Nachdem wir Ihnen hier zunächst einmal diejenigen Sprachfamilien präsentiert haben, welche sich im Großraum Europas befinden, werden wir in unserem nächsten Artikel Europa verlassen, um Ihnen weitere Sprachfamilien der Welt zu präsentieren.
 

 
 

Über die Autorin

1. Welche Sprachen (und Dialekte) sprichst du?
Ich spreche Englisch, Französisch und Bayrisch
 
2. Welche Sprachen lernst du gerade?
Spanisch
 
3. Wo hast du deinen letzten Urlaub verbracht?
London und Birmingham
 
4. Wohin geht deine nächste Reise?
Südosteuropa (Rumänien, Bulgarien, Türkei)
 
5.Was ist deine Lieblingsseite zum Sprachenlernen im Web?
Sprachenlernen24.de, um mich über Sprachen zu informieren
 
6. Was ist dein Lieblingswort?
stibitzen
 
7. Welches Wort kannst du dir überhaupt nicht merken? /Was ist dein schwierigstes Wort?
Antanananarivo
 
8.Was kannst du in einer neuen Sprache ganz schnell lernen?
Betonung, Melodie und Rhythmus prägen sich mir besonders schnell ein.
 
9.Was ist dein persönlicher Tipp für alle Sprachen-Lerner?
Genau hinhören und selbst soviel sprechen wie möglich!
 
10. Was ist dein Lieblings-Sprichwort? /Weißt du einen guten Zungenbrecher?
weiß ich nicht :(
 
11. Was war das erste Wort, das du sprechen konntest?
vermutlich „Mama“
 
12. Wie würdest du dich selbst in einem Satz beschreiben?
Ich bin wahnsinnig neugierig und möchte am liebsten alles ausprobieren.
 

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