Unser Beitrag zum Tag der deutschen Sprache 2010: Deutsche Wörter, die in andere Sprachen ausgewandert sind


 
von Christine Tettenhammer

 
Seit nunmehr zehn Jahren steht der zweite Septembersamstag als „Tag der deutschen Sprache“ ganz im Zeichen des Deutschen und des Deutschlernens.
 
Auch der Sprachenlernen24-Blog möchte sich an den Feierlichkeiten beteiligen. Anders als die Meisten der Pressestimmen zu diesem Tag, werden wir nicht über den Sprachverfall und die „Verdenglischung“ der deutschen Sprache bloggen, twittern, posten oder veröffentlichen.
 
Wir möchten Ihre Lust und Ihre Freude am Deutschlernen fördern, indem wir Ihnen zeigen, wo überall deutsche Wörter heimisch geworden sind.
 
Als wir uns in der Redaktion diese Frage gestellt haben, führte das zu einem sehr, sehr lustigen Arbeitstag: Aus allen Redaktionsstuben wurden im Minutentakt Sätze in fremden Zungen gerufen, in denen plötzlich ein deutsches Wort auftauchte! Wir hoffen, Sie haben so viel Spaß beim Lesen, wie wir beim Sammeln dieser weit gewanderten Wörter hatten!
 

Deutsche Wörter im Englischen

„And I had to schlep my heavy bag all the way to the next gate!“ - Na? Sounds familiar? Es wandern nicht nur viele Wörter aus der englischen Geschäftssprache in den deutschen Wortschatz ein. Nein! Auch ganz viele Germanismen haben ihren Weg in die englische Sprache gefunden.
 
Ein Beispiel dafür ist das Verb „to schlep“, dessen deutsche Wurzeln man eindeutig erkennen kann. Für dieses Verb verzeichnet das Oxford Dictionary den folgende Eintrag: „to carry something that is heavy or awkward a long way“ - auf gut Deutsch heißt das, man „schleppt“ etwas.
 
In englischen Wörterbüchern finden Sie noch viele weitere deutsche Auswanderer, die da zwischen den englischen Ausdrücken sitzen. Lustige Beispiele, die wir gefunden haben, sind: Das Adjektiv „schmaltzy“ beispielsweise. Hierfür listet das Oxford Dictionary als Erklärung auf: „the quality of being excessively sentimental“. Nach dem nächsten rührseligen Fernsehabend mit ihrer Freundin könnten Sie diesen also mal lässig auf Englisch mit „what a schmaltzy movie“ kommentieren!
 
Natürlich ist Ihnen in diesem Moment klar, dass das Wort „schmalzig“ seinen Weg über das Jiddische ins Deutsche und dann weiter ins Englische gefunden hat.
 
Sie könnten den Schmachtfetzen von Fernsehfilm aber auch abstrafen, indem Sie sagen „that was pure kitsch!“ und schon haben Sie wieder ein deutsches Wort in der englischen Sprache gefunden. Der deutsche Kitsch hat sich nämlich ebenfalls seinen Weg ins Englische gebahnt und wird im einsprachigen Wörterbuch folgendermaßen umschrieben: „popular art or design that is lacking in good taste by being to bright, sentimental or pretentious in style“.
 
Hier noch eine kleine Auswahl von weiteren Germanismen, die Sie in jedem englischen Wörterbuch nachschlagen können: doppelgänger oder doubleganger, gesundheit, kindergarten, kraut, leitmotif, strudel, wiener, zeitgeist ...
 

Deutsche Wörter im Französischen

gesammelt von Harimalala Ravelonanosy

 
Deutsche Ess- und Trinkgewohnheiten scheinen unsere französischen Nachbarn nachhaltig beeindruckt zu haben, denn in jedem französischen Wörterbuch finden Sie „le schnaps“, „le bretzel“ und „le stollen“.
 
Französische Chemiker arbeiten mit einem „bécher“, wenn Sie mit Bechergläsern hantieren.
 
Als Synonym zum Adjektiv „cassé“ können Sie auf Französisch auch sagen „kaputt“ und jeder wird Sie verstehen.
 

Deutsche Wörter im Finnischen

zusammengetragen von Päivi Niemi

 
Als wir diese tolle Sammlung von deutschen Wörtern im Finnischen zum ersten Mal gelesen haben, hat jemand den Witz gemacht, dass Finnisch ja ganz leicht zu lernen sei:
 
Man brauche nur an jedes deutsche Wort ein -i anzuhängen und schon hätte man alles beisammen, was man braucht um als waschechter Finne durchzugehen. Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Aber die folgende Sammlung legt diesen Schluss wirklich nahe, oder?
 
In einem finnischen Lebensmittelladen, dem „supermarketti“ können Sie kaufen: Bratwursti (Bratwurst) für den grilli (Grill) dazu ketsuppi (Ketchup), mysli (Müsli) und jugurtti (Joghurt) zum Frühstück. Im resepti (Rezept) steht, dass Sie auch noch riisi (Reis) und kaviaari (kaviar) brauchen und zum Abendessen soll es auch noch alkoholi (Alkohol), nämlich ein Glas viini (Wein), geben.
 
In Helsinki spielen sich folgende Szenen ab: Der moderni (moderne) bussi (Bus) ist vollgetankt mit jeder Menge besiini (Benzin) und düst über den asfaltti (Asphalt) durch einen tunneli (Tunnel) vorbei an pankki (Bank) und posti (Post).
Der ministeri (Minister) und der presidentti (Präsident) landen gerade mit einem helikopteri (Helikopter) und werden schon von einem reportteri (Reporter) erwartet, der darauf hofft, dass sie interessante Dinge in sein mikrofoni (Mikrofon) sagen werden.
 

Deutsche Wörter im Rumänischen

zusammengestellt von Arnold Tolnai

 
Im Rumänischen finden Sie ebenfalls (wie Sie auch gerade im Abschnitt zum Englischen erfahren haben) das Wort „kitsch“.
Rumänen hören außerdem im Radio gerne şlagăr (Schlager) und wenn sie über die Arbeit reden, sagen sie das „musai“ (muss sein). Sie sind nie şlampăt (schlampig) gekleidet – auch wenn sie şlapi (Schlappen) tragen – und zum Wandern brauchen sie ihren rucsac (Rucksack).
 
Viele deutsche Wörter, die ins Rumänische eingewandert sind haben etwas mit Werkzeugen und Technik zu tun:
  • şurub – die Schraube
  • bormaşină – die Bohrmaschine
  • şubler – die Schublehre
  • şmirglu/şmirghel – das Schmirgelpapier
  • ştecher – der Stecker
  • abţibild – das Abziehbild, der Sticker, der Aufkleber
  • şanţ – (von Schanze) – die Schanze, aber auch der Graben
  • şină – die Schiene, das Gleis
  • bliţ – der Blitz (beim Fotoapparat)
Auch aus der deutschen Küche sind so manche Wörter im rumänischen Wortschatz eingezogen:
  • crenvurşt (dt. Krenwurst) – die Wiener, das Würstchen
  • şniţel – das Schnitzel
  • şorţ – die Schürze
  • şpoher/şpoier – der Sparherd (Herd); regional
  • şpais – die Speisekammer; regional
  • chelner – der Kellner, der Ober
  • zaţ – der Kaffeesatz (oder auch der Drucksatz)

Deutsche Wörter im Russischen und Kirgisischen

aufgelistet von Nurila Möhlmann

 
Diese Liste von deutschen Auswanderern ist im Russischen und im Kirgisischen heimisch geworden:
  • айсберг (aisberg) – der Eisberg
  • апельсин (apelsin) – die Apfelsine
  • бухгалтер (buchgalter) – der Buchhalter
  • бургомистр (burgomistr) – der Bürgermeister
  • бюстгалтер (bjustgalter) – der Büstenhalter, der BH
  • бутерброд (buterbrot) – das Butterbrot, das Sandwich
  • фейерверк (fejerwerk) – das Feuerwerk
  • фляжка (fljaschka) – die Flasche (kleine Flasche aus Metall; vergleichbar mit einem „Flachmann“)
  • галстук (galstuk) – Halstuch; wird aber nur für „Krawatte“ benutzt
  • граф (graf) – der Graf
  • ландшафт (landschaft) – die Landschaft
  • парикмахер (parikmacher) – der Perückenmacher; Bezeichnung für einen Frisör
  • пункт (punkt) – der Punkt
  • рюкзак (rjuksak) – der Rucksack
  • шлягер (schljager) – der Schlager
  • штраф (straf) – die (Geld)Strafe
  • стул (stul) – der Stuhl
Können Sie eigentlich schon die kyrillische Schrift lesen? Wenn nicht, haben Sie mit diesem Blogartikel Gelegenheit dazu.
 

Deutsche Wörter im Ungarischen

eine Sammlung von Arnold Tolnai

 
Auch in Ungarn werden Sie einige deutsche Wörter durch den Tag begleiten:
 
Wenn Ihr vekker (Wecker) klingeln, dürfen Sie nicht länger kussolni (kuscheln) sondern müssen aufstehen und tusolni (duschen).
 
Nachdem Sie sich dann angezogen haben und auch ihre hózentróger (Hosenträger) nicht vergessen haben, gehen Sie früstökölni (frühstücken).
 
Sie schalten das Radio ein und nachdem der Moderator einen vicc (Witz) gemacht hat, laufen wieder bekannte sláger (Schlager). Sie fragen Ihren fater (Vater), was er denn gerne zum Abendessen hätte. Er meint, er hätte gerne krumpli (Kartoffeln, Grund-Birnen) und virsli (Würstel) und danach einen kleinen likőr (Likör).
 

Interessante Links zum Thema „deutsche Sprache“ und „Deutsch lernen“

  • Kennen Sie schon den Blogartikel zu den Sprachen in Deutschland? Hier erfahren Sie, welche Sprachen – neben Deutsch – in Deutschland noch gesprochen werden.
  • Dieser Beitrag auf unserem Blog beantwortet die Frage, welche Sprachen für Deutsche leicht zu lernen sind.
  • Die Gesellschaft für deutsche Sprache – kurz GfdS - ist ein unabhängiger Verein zur Erforschung und Pflege der deutschen Sprache. Dieser Verein legt jedes Jahr eine Liste der „Wörter des Jahres vor“.
    2009 waren das Wörter wie „Abwrackprämie“, „kriegsähnliche Zustände“, „Schweinegrippe“, „Bad Bank“ und „twittern“. Interessant ist es zu vergleichen, wie gut diese Wörter des Jahres die historischen Gegebenheiten einfangen und charakterisieren. 1979 wurden zu den Wörtern des Jahres ernannt:
    „Holocaust“, „Boat people“, „Nachrüstung“ und „Ölschock“.
    Ein Dezennium später (1989) kürte man „Reisefreiheit“, „BRDDR“ und „Montagsdemonstrationen“ als Wörter des Jahres.
    Und wieder einen Jahrzehntesprung nach vorne, bringen die Wörter „Millennium“, „Kosovokrieg“ und „Generation @“ das Jahr 1999 auf den Punkt.
  • Oder Sie besuchen die Webseite des Deutschen Sprachrats. Auf seinen Seiten hat es sich der Deutsche Sprachrat zur Aufgabe gemacht, das Deutsche zu pflegen und seinen Wandel aber gleichzeitig auch mit kritischen Diskussionen zu begleiten.
  • In der Online-Enzyklopädie Wikipedia gibt es eine Sammlung mit deutschen Wörtern in anderen Sprachen. Dort finden Sie noch mehr Auswanderer, als wir Ihnen in diesem Blogartikel vorstellen konnten.

 

 
 

Über die Autorin

Christine Tettenhammer ist Chefredakteurin bei Sprachenlernen24.
 
Zusammen mit ihrem Redaktionsteam verantwortet sie den Sprachenlernen24-Blog, betreut die redaktionelle Erarbeitung der Grammatiken und entwickelt neue Softwarekonzepte.
 
Christine hat von 1999 bis 2004 Kommunikationswissenschaft, Amerikanistik und Neuere Deutsche Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert.
Sie ist ausgebildete Sprecherin und leiht all unseren Deutschaufnahmen ihre Stimme.
In ihrer Freizeit findet man Christine auf Münchens ältester, noch spielender Laienbühne.
 
Sie spricht Englisch, Bairisch, Portugiesisch und Spanisch – verfügt außerdem über erweiterte Grundkenntnisse in Französisch, Kroatisch und Chinesisch.
 
Wenn Christine ins Kino geht, schaut sie sich Filme am liebsten im Original an.
Ihre Liebe zu Büchern in der Originalsprache bekommen auch ihre Bücherregale zu spüren, deren Regalbretter nicht nur an deutschen Autoren schwer zu tragen haben, sondern auch reich befüllt sind mit Werken von Burrhus Frederic Skinner, Philip Roth, Jonathan Safran Foer, Fernando Pessoa, Jorge Amado und vielen anderen.

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